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Wann ist jemand überhaupt ein Alkoholiker?

„Ich bin doch keine Alkoholiker, nur weil ich öfter Alkohol, mal ein Glas Wein und abends ein paar Bierchen trinke“, wird ein auf mögliche Alkoholsucht Angesprochener vielleicht abwehren. Ihm fehlen objektive Maßstäbe, um seinen Alkoholkonsum beurteilen zu können. Zudem ist der Selbsteinschätzung eines Menschen, der zu viel Alkohol trinkt, aufgrund einer meist hohen Subjektivität wenig zu trauen.
Ein Angehöriger, welcher sich sorgt, weil ein nahestehender Menschen dem Alkohol verfällt, benötigt daher sichere Kriterien, um den Verdacht auf Alkoholsucht abzusichern und Argumente gegen den Alkoholkonsum zu finden.
Wie können wir die Grenzen ausmachen, ab wann schlägt „Alkoholkonsum“ in „Alkoholmissbrauch“ um und wann gleitet ein Mensch in chronischen Alkoholismus hinein? Erschwerend für die Analyse eines Alkoholismus kommt hinzu: Der eine verträgt mehr, der andere weniger Alkohol. In dem Punkt, wieviel Konsum von Alkohol ist noch zuträglich, sind Menschen individuell verschieden. Dass wir trotz dieser Problematik, den Alkoholkonsum richtig zu deuten, heute mit hoher Genauigkeit feststellen können, ob jemand an Alkoholismus leidet und dem Alkoholiker wirksame Therapieangebote bereitstellen können, dafür hat ein bestimmtes Gerichtsurteil in Deutschland die Grundlage geschaffen:

Definition der Alkoholsucht als Krankheit

„Alkoholsucht ist keine Charakterschwäche, fehlender Wille oder eine Laune. Sie ist eine Krankheit“. (1)

So urteilte das Bundessozialgericht am 18. Juni 1968 zu den möglichen Auswirkungen von Alkoholkonsum.

Durch die gesetzliche Einstufung des Alkoholismus als Krankheit wurde der Weg damals frei gemacht zu den Finanzierungen, die Krankenkassen und Rentenversicherungsträger für Therapien und Rehabilitation bereitstellen. Der Kündigungsschutz wurde dadurch erhöht und ein fundamentales Interesse an Entwöhnung und Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit des an Alkoholabhängigkeit Erkrankten.

Indem Alkoholismus rechtssicher als „Krankheit“ definiert wurde, war die Notwendigkeit gegeben, wissenschaftlich fundierte Diagnosemöglichkeiten, Screeningverfahren sowie wirksame Therapien für Alkoholiker und Betroffene mit hohem Konsum der Droge zu entwickeln.

Heute, mehr als vier Jahrzehnte später, verfügen wir für jeden Schritt in dem Prozess „raus aus der Sucht“ für Alkoholiker über evidenzbasierte und praxiserprobte Methoden, um einen Alkoholiker unterstützend zu begleiten. Dazu gehört, die Entzugserscheinungen zu mildern, die mit dem Stoppen vom Alkoholkonsum einhergehen, in Krisen psychologischen Beistand zu leisten, die Entwöhnung vom Alkohol und eine nachhaltige Rehabilitation durchzuführen.

Zur Wahrnehmung dieser Hilfsangebote, um vom Alkohol wegzukommen, braucht es für den Alkoholiker den ersten Schritt: Der Mensch mit Alkoholsucht erkennt die Tragweite seiner Problematik und setzt sich das Ziel, vom Alkoholkonsum wegzukommen. Die Überzeugung, den Alkoholkonsum zu beenden, hilft ihm auch, die Entzugserscheinungen durchzustehen

Alkoholentzug

Der Weg aus der Alkoholsucht ist schwer und lang.

alkoholiker

Der Weg aus der Alkoholsucht ist schwer und lang.

Kriterien einer Alkoholabhängigkeit – Testmöglichkeiten

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zur Erkennung von Alkoholismus in ihrer „Internationalen Klassifikation der Krankheiten“ (ICD) allgemeingültige Kriterien entwickelt, durch die wir eine Alkoholsucht identifizieren können. Das sogenannte Abhängigkeitssyndrom gilt als sicher, wenn im letzten Jahr drei oder mehr der nachfolgenden Punkte auf eine Person mit vermuteter Alkoholabhängigkeit zutreffen:

Verlangen nach Alkohol

Der Betroffene kann dem Verlangen nach Alkohol nicht widerstehen und sieht sich dem Zwang zum Trinken ausgeliefert, selbst wenn noch keine physische Abhängigkeit entstanden ist. (In der Fachsprache: „Craving“).

Verlust der Kontrolle über den Konsum

Der Abhängige verliert mit der Zeit zunehmend die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum und das Trinken. Im Tagesverlauf nehmen die Häufigkeit der Trinkzeiten sowie die konsumierten Mengen an Alkohol zu.

Inkaufnahme von sozialen und persönlichen Einbußen

Der Betroffene selbst realisiert eingetretene körperliche und psychische Folgen durch seinen Alkoholismus und spürt die Einbußen durch Alkohol im sozialen Bereich. Doch er nimmt die negativen Auswirkungen vom Alkoholkonsum in Kauf und setzt das Trinken fort.

Entzugserscheinungen

Versuche, auf Alkohol zu verzichten oder den Konsum hinauszuzögern, führen zu Entzugserscheinungen. Typische Entzugserscheinungen sind Unruhezustände, Schlafstörungen, Zittern oder heftige Schweißausbrüche.

Zunehmende Toleranz

Die Entwicklung einer zunehmenden „Toleranz“ gegenüber dem Alkohol ist ein wichtiger Indikator und beschreibt einen Teufelskreis, in den jemand durch Alkoholkonsum gerät: Der Alkoholiker benötigt immer größere Mengen des Rauschmittels Alkohol, um die psychoaktiven Effekte, z.B. Entspannung oder Euphorie durch Alkohol zu spüren.

Diese Klassifikation einer Alkoholabhängigkeit nach ICD kann jeder/ jede als Selbsttest leicht auf sich anwenden, um eine Antwort auf die Frage nach eventuellem Alkoholismus und überhöhten Alkoholkonsum zu erhalten.

Die Analyse liefert bereits einen deutlichen Hinweis darauf, ob Alkoholismus vorliegt und es erforderlich ist, einen Arzt aufzusuchen.

Dieser führt eine fachliche Diagnostik mit Erhebung aller krankheitsrelevanten Faktoren und Anamnese hinsichtlich des Alkoholismus durch. Dazu gehören Laboruntersuchungen und klinische sowie biologische Screeningverfahren. Zur Verifizierung des Alkoholismus können weitere Testverfahren und Fragebögen angewendet werden, wie das Cage-Interview, das mit Beantwortung von 4 Fragen zielführend ist oder der Selbsttest AUDIT (Alcohol Use Disorders Identification Test) mit 10 Fragen.

 

 

Symptomatik des Alkoholismus, Charakteristika im Umgang mit einem Alkoholiker und Therapiemöglichkeiten

 

 

Anzeichen und Symptome für Alkoholismus

 

Dass schon lange zu viel Alkohol im Spiel ist und ein Mensch in meinem Umfeld zum Alkoholiker wird, erkenne ich leichter, wenn die Alkoholsucht bereits Folgen zeigt: Hoher Alkoholkonsum führt zu Verhaltensauffälligkeiten sowie psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen. Treten diese auf, werden auch Angehörige und Bekannte des Menschen mit Alkoholabhängigkeit die Gesamtsymptomatik als Alkoholismus deuten können.
Viele Alkoholiker vertuschen ihren Alkoholkonsum vor der Außenwelt und täuschen sich selbst über die getrunkene Menge Alkohol hinweg. Dann sind es teilnehmende Mitmenschen, denen die Folgen von zu viel Alkohol wie negative Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen, gelegentliche Entzugserscheinungen sowie gesundheitliche Schäden auffallen. Daraus schließen sie auf Alkoholismus und übermäßiges Trinken bei einem anderen. Typische Anzeichen, die wir im Umgang mit einem Alkoholiker wahrnehmen und die auf zu viel Alkohol bis hin zum Alkoholismus hinweisen, sind:

  • Reizbarkeit und unverhältnismäßige Gefühlsäußerungen,
  • psychische Instabilität,
  • Depression,
  • nicht eingehaltene Versprechungen, Pflichtverletzungen,
  • innerer Rückzug und soziale Isolation,
  • Schlafstörungen.

Wichtig ist, nicht aufgrund nur eines Symptoms auf Alkoholismus zu schließen. Erst wenn unterschiedliche Anzeichen für hohen Alkoholkonsum zusammenwirken, kann die Ursache im gesteigerten Alkoholkonsum gesucht und die Vermutung „Alkoholismus“ in den Blick gefasst werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Alkoholabhängigkeit wird sich erhärten, wenn die typischen körperlichen Folgen des Alkoholismus bereits wahrnehmbar sind: Ein Indikator für beständigen Alkoholkonsum und Trinken ist eine „Fahne“, der für den Konsum von Alkohol typische Mundgeruch. Nicht direkt lebensgefährliche Begleiterscheinungen von großem Alkoholkonsum und einer Alkoholabhängigkeit stellen dar:

  • Vermehrtes Schwitzen,
  • Appetitlosigkeit,
  • Zittern der Finger und Hände, Koordinationsstörungen,
  • Schwellungen der Augenlider, gerötete Augen, Bindehautentzündungen,
  • Platzen feiner Gesichtsadern, Schuppenflechte,
  • Beeinträchtigungen der Sexualität.

Schwere bis lebensbedrohliche, teilweise chronifizierende Folgen des Alkoholismus sind:

  • Leberkrebs, Leberzirrhose, Fettleber,
  • Beeinträchtigung der Gehirnfunktionen,
  • die Nervenkrankheit Polyneuropathie,
  • Erkrankungen des Magen-Darmtraktes bis hin zu Krebstumoren,
  • Schwächung der Immunabwehr, hohes Risiko für Infekte und Entzündungsherde im Körper,
  • Bluthochdruck,
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • Blutbildungsstörungen, Anämie,
  • Atemprobleme beim Schlafen,
  • Organschäden.
  • Bei überhöhtem Alkoholkonsum und Alkoholismus der

Mutter während der Schwangerschaft entstehen beim ungeborenen Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit Schäden am zentralen Nervensystem. Manchmal muss das Kind von einem Alkoholiker mit Schwerbehinderung leben. Auch körperliche Fehlbildungen können auftreten. Trinkt die Mutter Alkohol während der Schwangerschaft oder sind die Eltern Alkoholiker, besteht eine erhöhte Gefährdung für späteren Alkoholismus beim Kind.

Wie konnte es zur Alkoholsucht kommen?

 

Von Anfang an stellt sich die Frage, was die auslösenden Faktoren für den überhöhten Alkoholkonsum und Alkoholismus eines Menschen gewesen sind. Was hat mich bzw. meinen Bekannten zum Trinken und in den Alkoholismus getrieben?

Bevor die individuell sehr unterschiedlich auftretenden Auslöser für Alkoholsucht und sich steigernden Alkoholkonsum angeführt werden, muss klar sein: Die Besonderheit bei der Droge Alkohol ist, dass Alkohol gesellschaftlich akzeptiert und legal überall erhältlich ist. Alkohol gilt den meisten als Genussmittel. Für viele soziale Aktivitäten wie eine gesellige Feierabendgestaltung ist Alkoholkonsum integraler Bestandteil, um die Stimmung zu heben und durch Genuss von Alkohol das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. In Rechtfertigungsnot gerät bis heute eher derjenige, welcher ohne Alkoholkonsum und abstinent bleiben will, beim Trinken nicht mittut. Mit Alkohol werden positive Emotionen und Lifestylewelten verbunden, man denke nur an den „romantischen Abend“ mit Wein oder an „Alkopops“ für die Jugend.
Daher kann der Einstieg in den Alkohol und regelmäßigen Alkoholkonsum für den späteren Alkoholiker harmlos beginnen. Der Übergang von der Gefährdung durch Alkohol zum schließlich sozial isolierten Alkoholiker ist zunächst fließend. Doch tritt hier eine markante Trennung zwischen Alkoholikern und nicht süchtigen Menschen mit Alkoholkonsum ein: Erstere rutschen ab in die Alkoholsucht und Letztere bleiben zeitlebens beim gemäßigten Konsum von Alkohol.

Welche auslösenden Faktoren kommen für übersteigerten Konsum von Alkohol und für Alkoholabhängigkeit in Betracht? Heute steht fest, dass ein multifaktorielles Zusammenwirken unterschiedlicher Ursachen zur Alkoholsucht führt. Es ist nicht möglich, ein charakteristisches Erscheinungsbild als DIE Suchtpersönlichkeit in punkto Alkohol, als DEN Alkoholiker zu identifizieren. Allerdings begünstigen ganz bestimmte Faktoren eine Suchtstruktur und Alkoholismus:

Genetische Veranlagung

Aktuelle Forschung belegt, dass in einem hohen Ausmaß, nämlich zu 50 Prozent, die individuellen Gene eines Menschen eine Disposition zur Alkoholsucht bedingen. Rainer Spanagel, Professor für Pharmakologie und Toxikologie äußert sich zu den Zusammenhängen zwischen Genetik und Alkoholsucht:
„Gene sitzen manchmal in wichtigen Neurotransmittersystemen und Kaskaden, über die Alkohol wirkt, oder über die suchtähnliche Effekte vermittelt werden. Und so bestimmen diese Genvarianten mit ihren Genprodukten auch den Effekt von Alkohol oder der suchterzeugenden Wirkung.“.
Allerdings erliegt nicht jeder Mensch, der Alkohol trinkt und die genetische Veranlagung zum Alkoholiker aufweist, dem Suchtrisiko. Es ist jedem Menschen möglich, zu viel Alkoholkonsum und dem Alkoholismus entgegenzuwirken!

 

Prägung des Kindes - psychosoziale Entwicklung

Waren bereits die Eltern Alkoholiker, ist das Risiko einer späteren Alkoholabhängigkeit des Heranwachsenden deutlich erhöht. Das liegt nicht nur an der Vererbung. Sondern das Kind übernimmt die Verhaltensmuster seiner nächsten Bezugspersonen, auf diese Weise bekommt es normalerweise das Vorbild für seine Lebensführung. Auch destruktive Mechanismen wie Trinken und zu viel Alkoholkonsum erlangen auf diese Weise Wirksamkeit in der nächsten Generation, wenn der oder die durch Alkohol Gefährdete nicht gegensteuert.

 

Die soziale Situation - Segen oder Fluch?

Forschungen haben ergeben, dass ein stabiles soziales Umfeld, die Gesellschaft guter Freunde und maßvoller Alkoholkonsum zur Lebenszufriedenheit beitragen können. Doch genau dort im sozialen Umfeld können die Auslöser für zu viel Alkoholkonsum und Alkoholsucht liegen – wenn jemand dem Gruppenzwang seiner Clique erliegt und mehr Alkohol trinkt als er verträgt. Oder ein Mensch gerät in eine „toxische“ Beziehung und betäubt die ungelösten Konflikte mit Alkohol. Auch der Verlust eines Partners kann gesteigerten Alkoholkonsum und Alkoholismus auslösen. Verdrängung von Beziehungsproblemen oder unbewältigte Trauer spielen oft eine Rolle beim Griff zur Flasche.
Ein Klassiker für überhöhten Alkoholkonsum ist zudem der Verlust des Arbeitsplatzes mit nachfolgender Arbeitslosigkeit.

 

Einfluss von Persönlichkeitsfaktoren

Eine Studie von Schweizer Wissenschaftlern aus dem Jahr 2008 ergab, dass bestimmte Persönlichkeitstypen ein unterschiedlich hohes Risiko haben, an Alkoholsucht zu erkranken. Am wenigsten anfällig für Alkohol erwiesen sich Menschen mit der dominierenden Charaktereigenschaft „Gewissenhaftigkeit“. Extrovertierte Menschen mit Fokus auf Geselligkeit und Vergnügen hingegen waren statistisch gesehen gefährdeter für hohen Alkoholkonsum. Eine große Disposition für Alkoholsucht bieten schließlich neurotische Persönlichkeitsstrukturen (Neurotizismus). Die Wissenschaftler „empfehlen, bei der Behandlung von Alkoholsüchtigen stärker auf Persönlichkeitsmerkmale und Motive zu achten und den Patienten entsprechende alternative Verhaltensweisen anzubieten.“ (3)
Selbst dieser kurze Einstieg in die Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitsfaktoren und Neigung zu Alkohol zeigt, welch weites Feld sich hier öffnet hinsichtlich Gefährdung durch Alkohol sowie für individuelle Behandlungsansätze des Alkoholismus.

 

Persönlichkeitsstörung und psychische Erkrankung

Menschen mit Persönlichkeitsstörungen werden oft zur leichten Beute von Alkohol, da Alkohol ihnen kurzfristige Betäubung des mit der psychischen Erkrankung einhergehenden Leidensdrucks bietet. Ängste und Panikattacken, Minderwertigkeitsgefühle, Zwänge und Hemmungen sind unter Einfluss von Alkohol weniger spürbar, doch jeder weiß: Überwunden werden sie durch Trinken nicht. Der Anteil psychisch Erkrankter (wobei die psychische Störung bereits vor der dem Alkoholismus auftrat) unter den Alkoholikern ist relevant, er beträgt rund 50 Prozent.

 

 

 

Verhaltensmuster beim Alkoholiker im sozialen Umgang

 

Meist vermuten wir aufgrund von wiederholt auffälligem Verhalten eines Menschen, den wir früher ganz anders kannten, dass der- oder diejenige jetzt ein Problem mit Alkohol hat. Es gibt typische Alarmzeichen für Alkoholsucht, auch wenn sie bei jedem Menschen in unterschiedlicher Gewichtung auftreten:

Wenn jemand vermehrt ohne Angabe einer Begründung Termine und Verabredungen nicht einhält, könnten diese Versäumnisse ein Hinweis auf zu viel Alkohol, schlimmstenfalls Alkoholismus sein.
Kommt hinzu, dass der Umgang mit Bekannten, die einem erhöhten Konsum von Alkohol kritisch gegenüberstehen, neuerdings gemieden wird, erhärtet sich der Verdacht hinsichtlich Alkohol: Ein Alkoholiker vernachlässigt oft gute Freunde und engt den Gesichtskreis auf solche Personen ein, die das Trinken tolerieren und ebenfalls viel Alkohol trinken. Anstelle Freundschaft oder Partnerschaft tritt die gemeinsame Vorliebe für Alkohol und hohen Alkoholkonsum im Beisammensein.

Unverhältnismäßige Stimmungsschwankungen und Labilität in Alltagssituationen offenbaren den Rauschzustand durch Alkohol und seine negativen Folgen. Der Betroffene verliert durch den ständigen Alkoholkonsum die inneren Maßstäbe und seine Balance. Ein Mensch mit Alkoholsucht kann Risiken nicht mehr einschätzen oder angemessen handeln.
Ein weiteres Indiz für möglichen Alkoholismus: Nahestehende Menschen von einem Alkoholiker werden bemerken, wenn plötzlich viel weniger Geld vorhanden ist (da es für Alkohol ausgegeben wird).
Erschreckende Folgen von hohem Alkoholkonsum zeigen sich, wenn man unversehens ins Kreuzfeuer der Aggression eines Alkoholabhängigen gerät. Als bewusstseinsverändernde Droge schwächt Alkohol die Selbstkontrolle, daher reagieren manche Menschen mit großem Alkoholkonsum unter Alkoholeinfluss extrem aufbrausend. Verzerrte Realitätswahrnehmung durch Alkohol, Reizüberflutung und Desorientierung führen dazu, dass sich ein Alkoholiker durch Aggressionsausbrüche Luft macht.

 

 

Therapie Alkoholiker

Vermeiden Sie den Begriff „Alkoholiker“, und seien Sie zurückhaltend mit Worten wie Abhängigkeit und Sucht.

 

Umgang mit einem Alkoholiker

 

Persönlichkeitsveränderungen durch Alkoholkonsum, der in Alkoholismus einmündet, sind bereits sehr deutliche Warnzeichen. Höchste Zeit also, etwas gegen die Alkoholsucht zu unternehmen. Ein typisches Problem tritt häufig auf: Wer an Alkoholismus leidet, steht sich selbst meist massiv im Weg und verleugnet die Alkoholsucht statt auf Heilung hinzuwirken. Diese Paradoxie ist ein typisches Symptom einer Suchtstruktur beim Menschen mit Alkoholismus. Bei Leiden ohne Suchtcharakter, z.B. körperlichen Beschwerden, wird ein Erkrankter höchstwahrscheinlich unverzüglich einen Arzt aufsuchen und seine Symptome ehrlich schildern, weil er sich Gesundung wünscht. Doch der Alkoholiker lässt sich meist über einen längeren Zeitraum von seiner Sucht und von Scham leiten und verharmlost den Alkoholismus und das Ausmaß von seinem Alkoholkonsum.
Daher bleibt es zunächst oft den Bezugspersonen überlassen, sich abzuklären, dass ein Problem mit Alkohol vorliegt. Der Alkoholiker ist meist über einen längeren Zeitraum hinweg in den Alkoholismus hineingeglitten. Es muss sicher sein, dass Alkoholismus vorliegt, und die Grenze zwischen gelegentlichem Trinken und Alkoholabhängigkeit überschritten wurde.

Zur Erkenntnis des Alkoholismus gehört, sich mit der Symptomatik zu befassen. Im nächsten Schritt dann den Menschen mit Alkoholismus darauf aufmerksam zu machen, dass er durch Alkoholkonsum erkrankt ist, stellt eine große Anforderung dar und erfordert Takt, Geduld und Informiertheit. Nur mit der richtigen Strategie können Sie zu einem Menschen mit Alkoholsucht durchdringen. Was gilt es zu beachten im Umgang mit einem Alkoholiker, damit dieser nicht „dichtmacht“ oder ausweicht, und anderseits Sie sich nicht um des lieben Friedens willen manipulieren lassen?
Dabei darf nicht lange gewartet werden, um den Menschen mit Alkoholsucht auf das Trinken anzusprechen. Je mehr Zeit verfließt, desto mehr steigt der schädliche Konsum von Alkohol. Offenheit und Wertschätzung gegenüber dem Betroffenen, nie verurteilend auftreten, sind oberste Gebote für diese Gespräche. Wählen Sie einen Zeitpunkt, zu dem der Betroffene weniger unter dem Einfluss von Alkohol steht. Schildern Sie Ihre Wahrnehmungen bzgl. seines Umgangs mit Alkohol und helfen Sie ihm, seine Alkoholabhängigkeit zu reflektieren. Informieren Sie ihn oder sie über die Folgen von seinem Alkoholkonsum und Alkoholmissbrauch in körperlicher, psychischer und sozialer Hinsicht.
Zudem sollten Sie bereits recherchiert haben, welche – auch regionale – Erstanlaufstellen für Suchtkranke mit Alkoholismus und Hilfsangebote für Alkoholiker bereitstehen, so dass Sie diese unterbreiten können im Kampf gegen den Alkohol.
Sie bieten Unterstützung an, treten jedoch nicht als Pro­b­lem­lö­ser auf. Versuchen Sie nicht, den Alkoholismus zu behandeln. Bleiben Sie in diesem Punkt konsequent. Ein Alkoholiker kann nur gesunden, wenn er sich für die Folgen von seinem Alkoholkonsum selbst verantwortlich zeigt, seine Einstellung zum Alkohol selbst ändert und aus eigenem Entschluss therapeutische Angebote aufsucht.

Enge Angehörige – erschwerte Situation

An Menschen, die mit einem Alkoholiker eng verbunden sind, beispielsweise im gemeinsamen Haushalt leben, stellen sich höhere Anforderungen. Vielleicht hat man gern gemeinsam gefeiert und Alkohol getrunken. Daher waren der Konsum von Alkohol und das Trinken positiv belegt, bevor der Alkoholismus einen der Beteiligten zu beherrschen begann. Oft versuchen die nächsten Angehörigen instinktiv lange, das Trinken ihres Familienmitglieds nicht nach außen dringen zu lassen, um Stigmatisierung aufgrund von Alkoholismus zu vermeiden. Stattdessen bemühen sie sich, dem Alkoholiker im Alleingang beizustehen. Erst spät realisieren sie die Aussichtslosigkeit und dass sie indirekt den Alkoholkonsum des Betroffenen dadurch mitgetragen – sogar begünstigt – haben. Dann weist die nicht alkoholabhängige enge Bezugsperson des Alkoholikers bereits die Eigenschaften von einem „Co-Alkoholiker“ auf und benötigt ebenfalls therapeutische Unterstützung, um aus dieser gemeinsamen Negativspirale auszusteigen.

 

Wie therapiert man einen Alkoholiker?

 

Ein Alkoholiker selbst muss den Willen aufbringen, mit dem Trinken aufzuhören. Dann kann professionelle therapeutische Hilfe herangezogen werden.

Hilfe zur Selbsthilfe suchen

Oft gelingt es dem Alkoholiker nicht, allein den Alkoholkonsum zu stoppen. Diese Machtlosigkeit ist auch begründet in der Ausbildung des sogenannten „Suchtgedächtnisses“ im Gehirn bei fortschreitendem Alkoholismus. Psychoaktive Drogen wie Alkohol bewirken durch biochemische Prozesse Umstrukturierungen bestimmter Gehirnbereiche. Damit geht eine Konditionierung des Menschen einher: Ein Automatismus entsteht, indem der Alkoholkonsum mit der Aktivierung des „Belohnungssystems“ im Gehirn verknüpft wird. Das bedingt die Ausschüttung von Dopamin und Glückshormonen, der ersehnte Gemütszustand tritt ein. Ist diese Verknüpfung etabliert, wird sie intensiver und verdrängt eine vernünftige Selbstbestimmung. Das Suchtgedächtnis verursacht zusätzlich die Entzugserscheinungen, wenn der Alkoholkonsum einmal unterschritten wird.

Ist dieses Stadium eingetreten, kann es unerlässlich sein, sich professionelle Hilfe zu suchen. Als erste Anlaufstelle bietet sich die Hausarztpraxis an. Alternativ finden Sie Suchthilfeverzeichnisse im Internet. Selbsthilfeportale stellen Suchmaschinen bereit, um zunächst anonym einen Telefontermin oder ein persönliches Beratungsgespräch zu ermöglichen. In Ihrer Nähe finden Sie Suchtberatungsstellen, z.B. in Angliederung an Fachkliniken für Suchterkrankungen sowie Beratungsstellen kirchlicher Träger.

Schritte aus der Alkoholsucht

Insgesamt lassen sich vier Phasen ausmachen, die Menschen auf dem Weg in die Abstinenz durchlaufen.

  • Die erste ist die Motivationsphase: Der Entschluss, sein Leben zu ändern, muss ernsthaft vorhanden sein.
  • Dann folgen die Entgiftung und der Entzug mit den bekannten Entzugserscheinungen wie Schweißausbrüche, Schwächeanfälle und Zittern bis hin zu Krampfanfällen. Zur Abmilderung der Entzugserscheinungen werden heute individuell abgestimmte Medikamente verabreicht. Daher ist die Angst vor Entzugserscheinungen nicht mehr begründet. Ein sogenannter „qualifizierter Entzug“ kann bis zu drei Wochen dauern.
  • Um einen Rückfall zu vermeiden, ist der dritte Schritt notwendig: Eine Rehabilitation verstetigt die Entwöhnung und trainiert ein Leben ohne Alkohol.
  • Die letzte Phase ist die der Nachsorge und Rückfallprävention vor erneutem Alkoholkonsum. Um sich ein erfülltes Leben ohne Alkohol aufzubauen, gibt es heute unterstützende Programme. Auch ein trockener Alkoholiker bleibt aufgrund der nicht mehr rückgängig zu machenden Konditionierung immer ein Alkoholiker mit gewissem Gefährdungspotenzial.

Flächendeckend werden in Deutschland abgestufte und individuelle Therapiemethoden für Menschen mit Alkoholabhängigkeit angeboten:

  • Tatsächlich bewältigen manche Menschen bereits den Entzug vom Alkoholismus mit seinen Entzugserscheinungen und ein anschließend suchtfreies Leben weitgehend in Eigenregie, indem sie z.B. einer örtlichen Selbsthilfegruppe beitreten.
  • Andere nehmen ambulante Therapien unter ärztlicher Aufsicht mit regelmäßiger psychologischer Begleitung in Anspruch. Suchttageskliniken gehören zu den ambulanten Behandlungsformen.
  • Gerade wenn der Alkoholismus fortgeschritten ist, stellt die stationäre Aufnahme in eine Suchtklinik oder eine allgemeinpsychiatrische Klinik oft den sichersten Weg dar, sich von der Alkoholsucht nachhaltig zu befreien.

FAQ

. Welche besonderen Trinkgewohnheiten beschreiben unterschiedliche Alkoholikertypen?
  • Pegeltrinker benötigen immer einen gewissen Alkoholpegel und trinken über den Tag verteilt bestimmte Mengen Alkohol.
  • Rauschtrinker haben ein hohes Gefährdungspotenzial, denn sie verlieren die Kontrolle und trinken ex­zes­siv auf einen Rausch hin. Durch den hohen Alkoholkonsum bildet sich Toleranz aus, so dass sie das Alkoholvolumen bald steigern müssen, um die euphorisierenden Effekte zu spüren.
  • Konflikttrinker konsumieren Alkohol, wenn es Schwierigkeiten gibt. Damit betäuben oder verdrängen sie die Probleme kurzfristig.
  • Episodische Trinker sind nicht immer leicht als Alkoholiker erkennbar. Denn sie können oft längere Zeiträume nüchtern bleiben. Naht eine „Episode“, fühlen sie den Zwang, in kurzer Zeit große Mengen Alkohol zu verkonsumieren. Der umgangssprachliche Begriff lautet „Quartalssäufer“, in der Fachsprache heißt das periodisch auftretende Krankheitsbild dieser Form des Alkoholismus Dipsomanie.
  • Funktionale Trinker bleiben ebenfalls oft jahrelang unerkannt, weil sie vermögen, ihren Arbeitsalltag bzw. das Alltagsleben aufrecht zu erhalten, obwohl ihr Alkoholkonsum regelmäßig hoch ist.
Worin unterscheiden sich "kalter" und "warmer" Entzug?
  • Beim kalten Entzug vom Konsum des Alkohols wird mit sofortiger Wirkung auf jeglichen Alkohol verzichtet. Der kalte Entzug bezieht sich auf die körperliche Entgiftung. Diese erfolgt im Verlauf einiger Tage, ohne medizinische Unterstützung. Tatsächlich gelingt der kalte Entzug von Alkohol einigen Festentschlossen, die ihn häufig in ihrer eigenen Wohnung durchführen. Oft scheitern sie allerdings an den Härten der auftretenden Entzugserscheinungen und halten nicht durch. In fortgeschrittenen Fällen von Alkoholismus birgt der kalte Entzug ohne fachärztliche Begleitung ein hohes Risiko aufgrund möglicherweise gefährlich entgleisender Entzugserscheinungen und ihrer Folgen.
  • Der warme Entzug vom Alkohol stellt einen sanften Entzug mit Entwöhnung vom Alkoholismus unter fachärztlicher Begleitung und mithilfe medikamentöser Unterstützung dar. Das bewirkt eine Reduktion der Entzugssymptomatik. Zudem erhält der Patient nach Bedarf professionellen psychologischen Beistand und kann sich aufgefangen fühlen. Der warme Entzug kann ambulant oder stationär durchgeführt werden und dauert mehrere Wochen. Er umfasst neben der Entgiftung bereits den Beginn der Ursachenaufarbeitung und ggf. die Einbindung von Angehörigen. Ein Konzept für die Nachsorge kann in diesem Rahmen ebenfalls erstellt werden. So birgt der warme Entzug hohe Erfolgschancen.

Gemeinsame Therapie

5-6 Gruppengespräche pro Woche 

Einzelgespräche

Wöchentlich 4 ärztliche/therapeutische Einzelgespräche

Wohlfühlatmosphäre

Unterbringung in grossen Zimmern/Appartements zur Einzelnutzung

Gesundheit geht durch den Magen

Vollverpflegung inklusive aller Getränke

Das sagen unsere ehemaligen Patienten

Ein absolut überzeugendes Konzept. Das gesamte Personal, Ärzte, Krankenschwester, Therapeuten aber ebenso die „guten Geister“ des Hauses, sind äußerst freundlich und kompetent. Man fühlt sich von Beginn an sehr gut „aufgehoben“.

Minika, 57, Alkoholabhängigkeit

Wer in dieser Entzugsklinik keinen Erfolg hat, der hat wirklich ein Problem. Ich hätte niemals gedacht, in der kurzen Zeit so ins Leben zurück zu kommen.

Christoph, 53, Alkoholabhängigkeit und Depressionen

Wir waren 10 total unterschiedliche sich fremde Personen, die sich schon innerhalb der ersten Woche zu einem super Team entwickelt haben. Der gemeinsame Beginn und die daraus resultierende Gruppendynamik ist ein unersetzlicher Baustein dieser Therapie..

Norbert, 51, Alkoholabhängigkeit

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Sanfter Alkoholentzug

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Alkoholentzug

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